dENKGARTEN

Texte, Kommentare, Infos, Videos  

'Die neue Weltkriegsgefahr: Aufwachen oder Abdanken'


Ein Text aus dem 'Archiv' (von 2015) Über Aktualität mag die geneigte Zeitgenossenschaft selbst entscheiden: 

________________________________________

"Wer sich derzeit in der Politik umschaut, hat kaum eine andere Möglichkeit als ein nahezu tägliches Wechselbad zwischen Erstauen und Entsetzen einerseits, sowie den letzten Zufluchten der Hoffnung andererseits. Es sieht um uns herum und in den buchstäblich herrschenden Gefilden der Weltpolitik nicht gut aus.

Täglich werden wir mit Strategien und Ereignissträngen (aktuell im Zuge der Ukraine-Krise) konfrontiert, die real in einen großen Krieg in Europa (und gegebenenfalls darüber hinaus) ausbrechen können. Wobei schon der Begriff "Kriegsausbruch" eigentlich mehr verdeckt als er benennt. Denn Kriege brechen nicht aus. Kriege werden mit Absicht herbeigeführt und gewissermaßen "herbeiereignist". In der Regel unter Einsatz von False-Flag Aktionen. So werden, auch unter Einbindung ziviler Opfer, die Ereignisse erzeugt, die den Kriegsgrund liefern.
Im vergangenen Jahr wurde zwar in größerem Umfang des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs gedacht, aber ein sehr wichtiger Aspekt blieb dabei eigenartig unerwähnt. Der Aspekt, dass mit diesem Krieg eine völlig neue und ungeahnte Dimension der Völkerschlachten auf den Plan trat. Nicht nur auf den Schlachtfeldern, wo sich in bisher nie dagewesener Weise und Zahl die Menschen gegenseitig abgeschlachtet haben, hielt das Massensterben Einzug – nun kam der Krieg auch in die Städte! In den Städten, unter den Zivilisten waren dann bereits im Zweiten Weltkrieg mehr Opfer zu beklagen als in den direkten militärischen Konfrontationen.
Und heute? Die Erweiterung der Kriege in die Zivilbevölkerung hat sich seitdem so massiv ausgeweitet, dass in heutigen Kriegen das Verhältnis militärischer und ziviler Opfer in einem Verhältnis von ca. 1 zu 8 liegt. Auf einen getöteten Soldaten kommen also acht Zivilisten! Lässt sich da noch von "Krieg" sprechen? Oder ist das nicht längst in seiner inneren Gestalt etwas ganz anderes! Nämlich größtmöglicher Massenmord!
Ist das die "innere Gestalt" sogenannter moderner Kriege? Ist es das, was noch und letztendlich viel intensiver hineinwirkt in die Konzeptionen moderner Kriege. Wo man den Massen-Tod in die leichtgängige Quantifizierbarkeit verschiebt und von "Megatoten" spricht. Wie ist das gerade so. Heute. Oder morgen. Oder sozusagen "In diesen Tagen und Zeiten"? Was sind Megatote? In einem möglichen Atomkrieg? Können wir uns das wirklich vorstellen – den Atomkrieg? Wessen Imaginationsvermögen und Vorstellungskraft reicht bis da hin?
Dorthin, bis über die Zielkoordinaten der atomaren Mehrfachsprengköpfe hinaus und hinein in das millionenfache Elend, das sie in sich tragen? Wer kann sich das wirklich vorstellen? Wer macht uns zu solchen Wesen? Zu solchen Menschen? Wer reitet uns? Wer hat uns mental in der Hand? Wer hat unser Denken geflutet, dass wir es zulassen, dass es in diesen Vernichtungskategorien seit Jahrzehnten immer wieder Manöver als realitätsnahe Auslotungen des Machbaren gibt. Manchmal mit bedrohlichster Nähe zu einem sogenannten "Atomkrieg aus Versehen".
Von wem, von welcher Regierung mitsamt sogenanntem Think-Tank, lassen wir uns diesen Wahnsinn noch weichgespült als "atomaren Schlagabtausch" verkaufen? Der "Schlagabtausch" mit Zielkoordinaten der Metropolen und Städte des Feindes. Und wer ist der Feind? Der heute medial entmenschlichte Freund von gestern? Oder andersrum? Gestern Feind – und heute? Wenn nicht gar Freund, so doch "Alliierter"? Was ist da los? Sind wir von Sinnen?
Für bestenfalls über einige Jahrzehnte reichende Freund- und Feindschaften, Allianzen, Bündnisse und Interessengemeinschaften oder gar "Wertegemeinschaften" fahren wir gegen andere Menschen in anderen Städten Waffensysteme auf, die – falls doch einmal das von "niemandem Gewollte" eintritt – die Städte ausradiert und für Generationen unbewohnbar macht.
Nochmal: Wer hat uns da im Griff? Wer hat uns das Hirn geflutet, wenn das "ausradieren" von Städten zum militärisch-strategischem Jargon geworden ist. Wie kommen wir darauf, dass es irgendetwas, irgendein Gut gibt, das uns anrät, oder nur mit einem winzigsten Hauch von sinnvollem Handeln versehen kann, uns das (gegenseitig) anzutun, oder auch nur als "Option auf dem Tisch" anzudrohen?
Wahrscheinlich sterben in einem solchen "Schlagabtausch" kaum noch Soldaten, aber millionenfach Zivilisten! Werden diese Millionen Menschen schon wieder "in Kauf genommen"? Wer hat die Millionen Toten bereits auf seiner "Rechnung", wer hat sie "gekauft"? Für was? Öl? Gas? Macht? Einfluss?
Sehen wir nicht, dass da ganz andere "Schlacht-Felder" vorbereitet werden!? Schlachtfeldern und deren Vorbereitern, gegenüber denen wir buchstäblich höllisch aufpassen sollten? Es sieht so aus, als würden wir in diesen Tagen in eine Entscheidungsphase größten Ausmaßes gehen: Aufwachen oder Abdanken?


Wilfried Michalski